Bild: S-Bahn

MVV-Reform: Grüne Kreistagsfraktion stellt Antrag auf Ablehnung

Zur Kreistagssitzung am 26.07.2018 brachte die Grüne Kreistagsfraktion folgenden Antrag zur MVV-Reform ein:

Der Kreistag lehnt den aktuell vorliegenden Vorschlag für eine MVV-Tarifreform aufgrund gravierender Schieflagen der vorgeschlagenen strukturellen und preislichen Änderungen im Tarif ab.

Begründung: Ein Tarifsystem in einem Nahverkehrs-Verbund zu schaffen, das auf der einen Seite relativ einfach und damit auch übersichtlich ist, auf der anderen Seite aber auch verträgliche und einigermaßen „gerechte“ Tarife gewährleistet, ist zugegebenermaßen ein schwieriges Unterfangen. Der nun vorliegende Vorschlag für eine MVV-Tarifreform ist unseres Erachtens gründlich misslungen und daher auch nicht zustimmungsfähig. So würde es für einen nicht geringen Teil der Fahrgäste aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck zu immensen Preissteigerungen kommen.
Die Beschlussvorlage vom 18. Juli 2018 zu den Sitzungen des Kreistages und des Ausschusses für Energie, Umwelt und Planung am 26. Juli 2018 beschönigt, ja glorifiziert in absurdem Ausmaß die vorgeschlagene Tarifreform. Die Auswahl der in der Sitzungsvorlage dargestellten Tarifbeispiele ist einseitig, teilweise wegen des Fehlens des Verweises auf Tarifalternativen auch nicht redlich, die Fälle von exorbitanten Preissteigerungen werden ausgeblendet.

IsarCard als Wochen- oder Monatskarten

IsacCard von Germering, Gröbenzell oder Puchheim nach Pasing, bisher 2 Ringe, dann M + 1:
Wochenkarte bisher: 15,40 Euro; neu: 28,70 Euro ›› Preissteigerung: + 86 Prozent
Monatskarte bisher: 55,20 Euro; neu: 89,90 Euro ›› Preissteigerung: + 63 Prozent

IsarCard von Olching oder Eichenau nach Pasing oder von Germering, Gröbenzell oder Puchheim nach Laim, bisher 3 Ringe, dann M + 1:
Wochenkarte bisher: 18,60 Euro neu: 28,70 Euro ›› Preissteigerung: + 54 Prozent
Monatskarte bisher: 66,60 Euro neu: 89,90 Euro ›› Preissteigerung: + 35 Prozent

Ebenfalls heftig ist die Preissteigerung, da wo der bisherige Zeitkarten-Tarif „4 Ringe“ durch „M + 2“ ersetzt werden soll (z.B. Fürstenfeldbruck, Esting oder Gernlinden nach Pasing, oder aber Olching oder Eichenau nach Laim). Der Fahrpreis für die Wochenkarte soll hier um 72 Prozent (von 22,10 Euro auf 38 Euro), der Preis für die Monatskarte um 50 Prozent (von 79,10 Euro auf 118,90 Euro) ansteigen!

Streifenkarten: hierzu heißt es auf Seite 3 der Sitzungsvorlage: „Keine Fahrt wird teurer, die Kosten reduzieren sich vereinzelt um bis zu 25 Prozent.“ Für sich gesehen ist diese Aussage nicht falsch, aber es werden wohl bewusst Fahrpreisalternativen ausgeblendet.

Die Einzel- und Streifenkarten-Tarife für Fahrten von und nach München von und zu Stationen nahe der Stadtgrenze waren durch exorbitante Preissprünge gekennzeichnet. Um den Fahrgästen diese Preissprünge nicht zuzumuten, wurde vor mehreren Jahren das Ticket München XXL aus der Taufe gehoben. Da dieses Ticket mit zuletzt 8,90 Euro selbst für alleinige Hin- und Rückfahrten günstiger war, als das Bezahlen der Fahrten über Einzel- oder Streifenkarten, wurde es von zahlreichen Fahrgästen aus den Umlandgemeinden genutzt.

Das heißt, wenn jetzt, so wie in der Sitzungsvorlage geschehen (S. 3), der Fahrpreis beispielsweise von Fürstenfeldbruck in die Münchner Innenstadt bei Nutzen einer Streifenkarte als unverändert angegeben wird (jeweils 5,60 Euro für Hin- und Rückfahrt), dann ist das per sei erst einmal richtig. Redlicher Weise hätte dann aber auch der Preis des Tickets München XXL in Bezug gesetzt werden müssen. Und ein Preisanstieg von 8,90 Euro auf 11,20 Euro macht eben eine Preiserhöhung um 26 Prozent aus.

Tarife für Jugendliche: Unter der Überschrift „U21, weniger zahlen, mehr erleben“ heißt es auf Seite 9 der Sitzungsvorlage: „Für Jugendliche (15- bis 21-Jährige) gibt es eine neue Streifenkarte U21 mit hohem Rabatt von 40 Prozent.“

Von wegen Verbesserung, von wegen weniger zahlen: Jugendliche, die mit Streifenkarte zahlen, hatten bisher das „U 21-Angebot“: anstelle von regulär zwei Streifen je Zone, ein Streifen je Zone, d.h. Ermäßigung um 50 Prozent.

Des Weiteren soll es zu exorbitanten Steigerungen in Teilen bei Zeitkarten kommen:
z.B. Zeitkarten von Germering/Gröbenzell/Puchheim nach Pasing

im Ausbildungstarif I (bis 14 Jahre)
Woche bisher : 10,80 Euro; neu: 20,20 Euro ›› + 87 Prozent
Monat bisher: 38,60 Euro; neu: 62,90 Euro ›› + 63 Prozent

Im Ausbildungstarif II (ab 15 Jahren)
Woche bisher: 11,60 Euro; neu: 21,60 Euro ›› + 86 Prozent
Monat bisher: 41,40 Euro; neu: 67,40 Euro ›› + 63 Prozent

Exakt zu den gleichen Preisexplosionen wie bei den regulären Zeitkarten soll es auch bei den Ausbildungstarifen kommen da, wo der bisherige Tarif „4 Ringe“ durch „M + 2“ ersetzt werden soll (z.B. Fürstenfeldbruck, Esting oder Gernlinden nach Pasing, oder aber Olching oder Eichenau nach Laim). Im Ausbildungstarif II soll hier beispielsweise der Fahrpreis für die Wochenkarte von 16,60 Euro auf 28,60 Euro ansteigen (= + 72 Prozent), der Preis für die Monatskarte soll von 59,30 Euro auf 89,20 Euro (= + 50 Prozent) erhöht werden!

Die Einführung eines Sozialtickets ist zu begrüßen. Für Menschen mit engem Budget dürfte jedoch wichtiger als das neu vorgesehene Monatsticket (IsarCard S) eine Ermäßigung bei Tarifen für Fahrten mit Tageskarten, Streifenkarten und/oder Einzelfahrscheinen sein.
Weitere ausgewählte Kritikpunkte an den neu vorgeschlagenen Tarifen:

Isarcard 60 (Gesamtnetz) aktuell: 69,10 Euro; vorgesehen als Isarcard 65 (der zeitliche Deckel Fahrtantritt erst ab 9.00 Uhr soll wegfallen): 89,40 Euro!

Isarcard 9.00 Uhr: beginnend ab M + 2 teurer, ab M + 3 erheblich teurer (von bisher Gesamtnetz, 80,90 Euro, auf bis zu 104,90 Euro)!

Zwar sind auch mehrere der vorliegenden Vorschläge für strukturelle und preisliche Änderungen im Tarif begrüßenswert. Zu nennen ist hier etwa, dass die Preise für Fahrten innerhalb des Landkreises in der Regel sogar abgesenkt werden sollen, was v.a. den Busverkehr attraktiver machen würde. Vor dem Hintergrund der drohenden exorbitanten Preissteigerungen für zahlreiche Fahrwege von und in unseren Landkreis und für zahlreiche Bürgerinnen und Bürger unseres Landkreises gilt es, dem vorgelegten Tarifwerk seitens des Landkreises Fürstenfeldbruck eine klare Absage zu erteilen.

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